"Surrogate"

Katja Bilo | Oliver Möst

Eröffnung am 28.10.2011 um 19 Uhr

Künstlergespräch am 02.12.2011 um 19:30 Uhr

Katja Bilo und Oliver Möst – Surrogate

Die Ausstellung Surrogate vereint zwei medial verschachtelt arbeitende Künstlerpositionen. Katja Bilo und Oliver Möst bevorzugen die Fotografie als ein Werkzeug Ihre konzeptuellen Bildwelten in Szene zu setzen. Wie gewissenhafte Ausstatter eines Filmsets inszenieren sie ihre Kunstwerke. Doch was wird hier ins Bild montiert? Der Titel der Ausstellung Surrogate steht für Ersatzstoffe oder Platzhalter. Für was wird in den Arbeiten der Künstler der Platz freigehalten oder für was liefern sie uns einen Ersatz? Sicherlich nicht für ein oberflächliches Wiedererkennen oder eine visuell einfältige Idee, wie es die Surrogate der Bildwelten unserer aus Oberflächen bestehenden Welt immer mehr tun. Vielmehr scheint es um vielschichtige Gedanken und Fragen eines künstlerischen Erforschens zu gehen. Zuerst fällt dabei eine zeitliche Dimension ins Auge. Die Motive scheinen sich auf verschiedenen Zeitebenen auszudehnen. Etwas Vergangenes schwingt mit, ohne jede Nostalgie, etwas Totes scheint wieder lebendig, irgendetwas Lebendiges seltsam starr. Motive einer vergangenen Ikonographie werden aktualisiert: Stillleben, Heiligenbilder und Interieurs. Und gleichzeitig mit Ihnen eine Sprache, eine Kultur und ein Weltverständnis, ohne Pathos, hintergründig, aufmerksam und treffsicher. Surrogate vielleicht hierfür –

Katja Bilo´s Arbeiten spannen eine Bogen bis hin zum Barock. Nicht nur wegen der Tier– und Blumendarstellungen, sondern vielmehr auf Grund der Bemühungen den Rausch der Unendlichkeit darzustellen. Was diese Epoche durch vielfachen Einsatz von Imitationen, Illusionen und Übersteigerung erreicht, nämlich die Auflösung von Raum und Zeit im Bild oder in der Architektur, schafft Katja Bilo durch konzeptuelle Konzentration und mediale Transfers. So tauchen Objekte aus Videos als aktualisierte Version, als Skulptur im Raum auf. Ein Blumenstillleben, mit einer künstlichen Blume in einer weißen Vase, wird in zeitlichen Abständen fotografiert. Katja Bilo arbeitet mit der Wiederholung als Handlung. Durch die Wiederholung vollzieht sie eine zeitlich gerichtete Vergegenwärtigung. Diese Vergegenwärtigung ist zum einen linear – voranschreitend, zum anderen zyklischen – wiederkehrend. Katja Bilo verkehrt das Verhältnis von Objekt und Kopie, von Original und Zitat. Dies geschieht beim Fotografieren der künstlichen Blume, die schon Abbild eines Versuchs ist, Vergänglichkeit aufzuhalten ebenso, wie in dem nicht enden wollenden Loop der toten Katzen, die durch den Protagonisten „wiederbelebt“ werden. Daneben zeigen die großformatigen Fotografien der toten Katzen ein Kleinod, bestehend aus seltsamen, ja fast absurd anmutenden Formen der Erinnerung. Erinnerungen, verkörpert durch das Interieur, alte Bilder, Möbel und Utensilien, die in jedem Fall etwas festhalten wollen, nämlich die Zeit. Katja Bilo´s Arbeiten beschreiben den Versuch, die Endlichkeit gegen das Vergehen des Lebens mit Illusionen, sprich Surrogaten ins Bild zu setzen. Oder auch, je nach Perspektive, einen humorvollen Versuch mit der eigenen Endlichkeit ins Gericht zu gehen.

Oliver Möst belebt eine andere Form des Bildes wieder: Heiligenbilder. Alle Heiligen der Serie stehen für etwas, sie sind Schutzpatrone für Berufsgruppen, deren aktuelle Vertreter Oliver Möst ins Bild gesetzt hat. Schemenhaft können wir an den Gegenständen, die die Heiligen mit sich bringen, des zu schützenden Berufstand ablesen. Irgendwie fällt da auch jede Menge aus der Zeit heraus. Das Genre an sich, die ihm zugrunde liegende Religiosität, die feste Zugehörigkeit zu einem Berufsstand. Ja auch die Sehnsucht nach Schutz durch eine höhere Macht. All dies, was heute die Leben der Akteure des urbanen Verteilungskampfs mit mäandernden Lebensläufen und Nebenjobs nicht kennzeichnet. Sind Oliver Möst´s Bilder also nur Surrogate einer vergangenen Ordnung oder fällt aus Ihnen etwas in unsere Zeit dessen wir bedürfen? Die Antwort muss unscharf bleiben, wie die Bilder selbst. Die durch die Lochkamera erzeugte malerische Bildsprache gibt uns aber doch einige Hinweise. Unser hoch entwickeltes Zeichensystem zur Aufrechterhaltung unserer Individualität, unsere Attribute, die Codes verlieren in der Unschärfe ihre Wirkung. Wir tauchen ein in eine höher liegende Ordnung, wenn es gut geht in das Wesen der Dinge, wenn es schief geht in das Klischee. Sind wir im ersten gelandet erhalten wir vielleicht einen tieferen Blick, ein Erkennen, eine Verstehen trotz oder gerade wegen der Unschärfe. Arrangieren wir uns im Klischee bleibt nur die Möglichkeit an der Unschärfe als Oberfläche zu scheitern. Die Bilder des Künstlers halten uns somit den Platz entweder für spirituelle Fragen oder für religiöses Beantworten.

Daniel Kerber

28.10.2011 – 03.12.2011

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Watchlist

Mady-Alem Akec
Radu Gladven
Yoto Mo
Paul Shefter
Robert Wilschatt

Eröffnung am Freitag den 09.09.2011 um 19:00 Uhr

Axel Obiger freut sich die neue Saison mit der Ausstellung Watchlist eröffnen zu können. In intensiver Recherche konnte eine Gruppenausstellung zusammengetragen werden, die Positionen aktuellster Kunst aus dem Süd-Sudan, Rumänien, Japan, USA und Österreich präsentiert. Die Galerie setzt somit ihr Program von international kuratierten Gruppenausstellungen fort. Für alle beteiligten Künstler ist dies die erste Präsentation ihrer Arbeiten in Berlin. Alle Künstler werden zur Eröffnung anwesend sein.

16.09.2011:

Künstlernamen und ihre gestalterische Identität sind Teil eines  Rezeptionssystems, eines Marktmechanismus und hier eines Experiments. Wer sich als Künstler heute professionalisieren möchte, der agiert unter seinem Namen auch als Stratege und Unternehmer. Er baut sozusagen auch eine "Markenidentität" auf, die gewisse Emotionen, Erwartungen und Werte beinhaltet. Ein Wiedererkennungswert sollte konstruiert werden und gleichzeitig eine ablesbare Innovationskraft lesbar bleiben. Die künstlerische Arbeit wird im Idealfall in einen Spannungsbogen aus Sicherheit (kenne ich, mag ich, funktioniert) und Aufbruch (überrascht mich, hat sich weiterentwickelt) hineinkreiert. Doch was passiert, wenn das System durchbrochen wird? So in der Ausstellung Watchlist bei Axel Obiger. Wir konnten fünf Galeriekünster gewinnen unter einem Alter Ego für die Ausstellung Arbeiten zu schaffen, die abseits ihrer eigentlichen Praxis liegen. Namen samt schlüssiger Lebensläufe wurden entwickelt. Zur Eröffnung waren Schauspieler geladen, die in die Rollen der internationalen Künstler schlüpften. Haben wir damit unser Publikum getäuscht? Konnten die Künstler befreit von Ihrer angestammten gestalterischen Identität eine neue Freiheit entdecken? Kann man sich als Künstler neu erfinden? Warum hatten wir zur Eröffnung ein anderes Publikum als üblich? Wie haben die Schauspieler Ihre Performance erlebt? Diskutieren sie mit uns all diese und weitere Fragen bei der Finissage eines Experiments mit Künstlergespräch am 21.10.2011 um 19 Uhr.

herzlich,

Ihr Axel Obiger

10.09.2011 – 23.10.2011

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Sinta Werner | Ein Stück Ausschnitt (Installation mit zwei Leuchtkästen)

Finissage mit Artist Talk am Freitag, den 02.September 2011 um 19 Uhr

Die Intervention im Schaufenster ist zu sehen vom12.08.2011 - 03.09.2011

Die Galerie bleibt während der Ausstellungsdauer geschlossen.

Ein Stück Ausschnitt - Installation mit zwei Leuchtkästen

Sinta Werners Installationen bewegen sich an der Schnittstelle zwischen Bild und Raum. Im Gegensatz zum illusionistischen Tafelbild wird die Flächigkeit des Bildes - der Ausstellungsraum - in eine räumliche Situation überführt. In bisherigen Arbeiten hat sich Sinta Werner mit der Illusion von Spiegelungen und Doppelbelichtungen beschäftigt und diese in ortspezifische räumliche Strukturen übersetzt. Ein neuerer Aspekt ihrer Arbeit besteht im Aufgreifen von Funktionen aus der digitalen Bildbearbeitung und damit der Frage, inwieweit unsere visuelle Wahrnehmung heutzutage vom Umgang mit digitalen Medien beeinflusst ist.

Für das Schaufensterprojekt bei Axel Obiger, bei dem die Ausstellung nur von der Straße aus zu sehen sein wird, wird Sinta Werner eine Photoshop-Ansicht des Ausstellungsraumes generieren, bei dem ein Ausschnitt des Raumes verschoben ist.  Die Fotografie des Raumausschnitts hängt mitten im Raum und ist von dem gestrichelten Auswahlrechteck umrahmt. Ein zweiter, etwas größerer Leuchtkasten im Hintergrund gibt das weiß-grau-karierte Transparenzmuster wieder, welches in der Photoshop-Darstellung eine Leerstelle im Bild markiert. Beide Leuchtkästen hängen parallel zur Schaufensterscheibe und damit auch parallel zur Laufrichtung der Passanten. Die Verschiebung des Rechtecks ergibt sich automatisch durch die Veränderung des Blickwinkels im Vorübergehen.

Wir verbringen den Großteil unserer Zeit vor dem Bildschirm, in dem sich verschiedene Fenster in unterschiedlichen Ebenen, deren Abfolge variabel ist, überlagern. Gleichzeitig ist die Dichte der dort sich überlappenden Informationen auf einen minimalen Ausschnitt unseres potentiellen Blickfeldes eingeschränkt. Wir bewegen unsere Augen nur noch marginal, um die größtmögliche Realitätsfülle wahrzunehmen.

Ein weiteres Phänomen ist die im virtuellen Raum entstandene Realitätsbearbeitung, die auf den realen Raum zurückwirkt. So zum Beispiel In einem Photoshopdokument, in dem das Bild in verschiedene Ebenen vervielfältigt und aufgespalten wird, endlos reproduzierbar, variierbar und manipulierbar.

Auch der urbane Raum ist geprägt von unzähligen bewegten und unbewegten Bildern auf Werbe- und Infotafeln.  Wir laufen durch Lagen von Bildwelten, die Räumlichkeit suggerieren, deren suggestive Raumwirkung aber gar nicht mehr als solche von uns wahrgenommen wird. Die Bilder sind Spam, sind Metaphern, die schnell wieder weggeklickt und ausgeblendet werden. Im Stadtraum dominieren die Schilder, die Zeichen, alles drängt sich in den Vordergrund. 3000 Werbebotschaften am Tag, unzählige Hinweistafeln, Verkehrsschilder. Auch hier scheinen wir nicht mehr umhinzukommen den virtuellen Tunnelblick, die Einschränkung unseres Gesichtsfeldes anzuschalten, damit sich nicht permanent Verheißung, Ablenkung, Botschaft, Wirtschaftsinteressen und Lenkungsstrategien in unsere Realität einschleichen und wir der variantenreichen Manipulation entgehen.

Sinta Werners Eingriff bei Axel Obiger bearbeitet dies alles auf subtile Weise. Der in der Sommerpause leere Galerieraum, eine Leerstelle im urbanen Rauschen, wird mit einem virtuellen Werkzeug real bearbeitet. Sie verlinkt somit zwei Wahrnehmungswelten, elgegant ironisch und weist dezent im Vorübergehen auf unsere Tunnelblickexistenz hin.

12.08.2011 – 03.09.2011

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James Sterling Pitt | Kirk Stoller

Eröffnung am 08.07.2011 um 19:00 Uhr

In Zusammenarbeit mit Romer Young Gallery, 1240 22nd St., San Francisco, CA, www.romeryounggallery.com

James Sterling Pitt
Ich produziere Kunst um das Leben um mich herum zu verstehen. Ich begann Karten herzustellen, die als chronologische Listen von Erinnerungen fungierten.  Diese Erinnerungen sind teils greifbare Objekte teils abstrakte Formen, die Wahrnehmungsschüben oder Träumen entspringen. Bedingt durch die Schwierigkeit im Lesen und Schreiben, agieren diese sichtbaren Listen als Erinnerungshilfen oder ein Journal – sie sind essentiell für mein Leben und meine Arbeit. Ich fördere diese Karten für alle Erinnerungen, welche ich gerne wiederholen würde und forme daraus greifbare dreidimensionale Objekte. Ich versuche eine Verknüpfung zwischen dem Vergangenen, dem Gegenwärtigen und dem Zukünftigen zu schaffen, indem ich eine sichtbare, physikalische Wiedergabe der Erinnerungen schaffe. Diese dreidimensionalen Skulpturen stehen für eine bestimmte Zeit und einen bestimmten Ort – gemeinsam installiert werden sie zu einer Einheit, welche ein besseres Verstehen meines Lebens für mich darstellt. Jeder ist dazu eingeladen, seine persönliche Beziehung durch das Betrachten und Auseinandersetzen zu diesen Objekten aufzubauen.
Die ausgestellten Arbeiten in der Galerie Axel Obiger zeigen eine Serie; inspiriert durch den amerikanischen Soul- und Jazzpoeten Gil Scott Heron.  Heron starb an dem Tag, als ich die Auswahl der Skulpturen für die Ausstellung in Berlin traf. Er war Thema vieler früherer Zeichnungen und eine ewige Inspiration für meine Arbeit. Sein meist bekanntes Album heißt  „I’m new here“ – dieser Titel ist eine Referenz zu einem Song des Sängers Bill Callahan, ein weiteres Thema  und Inspiration für meine Arbeit. Während ich die Auswahl der auszustellenden Skulpturen traf, begann ich, jede Arbeit als einzelne musikalische Note zu verstehen und diese als Song zu arrangieren. Zusammen sollen die vier Skulpturen als Harmonie während der Ausstellung nebeneinander stehen. Ich beschloss, die vier Skulpturen „Untitled (I’m new here)“ zu nennen, als Ehre an den verstorbenen Poeten Heron. Es ist ein Bestreben, meine Gefühle über seinen Tod in ein Arrangement zu transferieren, welche wie ein Song in deinem Kopf feststecken, bei welchem du dich nur noch an die Melodie und ein paar Worte erinnerst. Der Titel der Ausstellung passt ebenso zur autobiografischen Natur meiner Arbeit: denn dies ist meine erste Ausstellung in Berlin, die Aussage „ I’m new here“ ist daher sehr passend und humoresk.

Kirk Stoller | I will stay erect
Verbindung und Unterstützung sind die überwiegende Thematik meiner künstlerischen Arbeit. Ich baue skulpturale Formen aus Holz, Plastik und Fundobjekten, die ich von ihrer ursprünglichen Bedeutung entfremde. Ich mische alte und abgenutzte Materialien mit neuen, sauberen und glänzenden Oberflächen um eine Verbindung zwischen Spuren der vergangenen Zeit und neuen Erfindungen herzustellen.
Ebenso reizen mich die kleinen Geschichten, die auftauchen sobald man Dinge nebeneinander stellt: dies reflektiert meine persönliche Einstellung darüber wie die Welt in meinen Augen funktioniert. Ich sehe das Leben als eine Ansammlung von kleinen Dingen, eine Vermischung von Erinnerungen, Relikten und Träumen.
Meine Basis ist die Malerei, obwohl ich die Welt durch die Augen eines Bildhauers verstehe und bearbeite. Die Spannung zwischen Maler und Bildhauer wird in meiner Arbeit reflektiert, indem ich den Raum zwischen beiden Disziplinen doppelt angehe, im physischen Sinn und mit all den unterschiedlichen Möglichkeiten welche von Natur aus verschieden sind.
Wenn ich die Arbeit auf dem Boden positioniere, gebe ich der Skulptur die Möglichkeit, nicht nur als Skulptur, sondern auch als Malerei  - vergleichbar mit einem Wandbild - zu agieren. Dies soll eine illusorische Qualität vermitteln.  Ich  berufe mich auf eine interdisziplinäre Annäherung zwischen Malerei und Skulptur, um die Grenzen der beiden Medien aufzubrechen, während die Betonung angestrebter Aspekte nur entschlüsselt werden kann, wenn beide kombiniert werden.
„I will stay erect“, in der Galerie Axel Obiger beinhaltet Verabredungen zwischen den Medien, reflektiert die Schwierigkeit das Erinnern aufrecht zu erhalten - entgegen des rapiden Ansturms des Wechsels, mit dem wir täglich konfrontiert sind: persönlich, sozial, ökonomisch, technisch. Es ist überwältigend, und dadurch oft umso schwieriger, dem zu widerstehen. Wenn wir uns gegen diesen Druck auflehnen, um einen Ausgleich zu schaffen, mithilfe der Kraft unserer Meinung und Hartnäckigkeit, so können wir uns  gegen einen neuen Ansturm stellen. Wir erfahren neue Aspekte der Gemeinschaft und Verbindung, wenn wir uns der Hilfsmittel der Anordnung bedienen.
Eine Andeutung von Betrug - abhängig von Selbstzweifeln – bestimmte die Wahl des Titels I will stay erect.  Momentan agiert eine gewisse Spannung des Zweifels, wonach jedes ausgestellte Objekt die andauernde Frage des Künstlers reflektieren soll: werde ich erfolgreich sein?
Im Herbst werde ich eine begleitende Ausstellung mit dem Titel „ I hope I don’t fall down“ bei der Romer Young Gallery in San Francisco installieren. In dieser Ausstellung werde ich ebenso die Instabilität zwischen der Aufrichtung und der Gravitation untersuchen, jedoch von einem gegenteiligen Standpunkt ausgehend: der Zweifel ist eindeutig, die Entschlusskraft eine darunter liegende Frage.


09.07.2011 – 06.08.2011

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Harriet Groß | Fernando Niño-Sánchez

Harriet Groß | Corium Poetry

1. Harriet Groß arbeitet mit Metallfolie in Schwarz, Papier in Weiß, Sicherheitsgurten, Fäden, Glasobjekten und allerlei Kleinod. In raumbezogenen Installationen arrangiert sie ihre Arbeiten zu Gruppen und Konstellationen. Man könnte sagen sie zeichnet im Raum. Oder: man könnte sagen ihre Arbeiten sind im Raum unterwegs.

2. In langen Arbeitsprozessen schneidet sie feinste Strukturen aus der Metallfolie, gleich Scherenschnitten oder Schattenspielen. Doch Welche Geduld und Akribie ist hier zu Gange! Schnell wird deutlich, dass es sich nicht etwa um manische Fleißarbeit handelt. Die an einem Motiv verbrachte Zeit ist kein selbstquälerisches Abarbeiten. Die Herstellungszeit entspricht vielmehr genau der Dauer, diese Sache oder Gegebenheit freizulegen, die die Künstlerin ins Visier genommen hat. Sie umgeht damit oberflächliche Effektivität und erreicht höchste Effizienz.

3. Mit dem Cutter aus Metallfolie ausschneiden, die feinstmögliche Haarlinie ziehen. Was hier bearbeitet wird ist nicht das Motiv oder dessen Negativ, sicher, beim Schneiden bleibt etwas übrig und etwas fällt weg, aber der Vorgang des Ritzens ist die Beschreibung einer Grenze und ob am Ende das Loch das Motiv ist oder das Restmaterial, bleibt unergründbar wechselnd. Harriet Groß beschreitet und beschreibt Grenzen und wenn wir dann genau hinschauen und ihr folgen, erkennen wir, dass diese Grenze ein multidimensionaler Raum ist, ineinander verschränkt, ein Klumpen aus Grenzen.

4. Die Künstlerin beobachtet wie das Denken zum Machen wird, oder etwas diese Schwelle übertritt, zwischen Realitäten oder Welten. Dieser Bereich, an dem sich Wechsel einstellt. Meist sind dies kurze Momente, die wir kaum beachten, wir betreten einen Raum, blättern eine Seite im Buch um oder treten aus der Bahn auf die Straße. Unbemerkt wechseln wir Körperhaltung, Denkrichtung und Wesensinhalt. Mehr denn je huschen wir durch Welten und multiplizieren unsere Identitäten.

5. Die Schwelle ist meist nur eine Linie, eine kleine Ritze oder eine Falte. Schnell durchschritten, übergangen, durchquert. Sie macht keinen Lärm oder fordert uns, außer es handelt sich um eine sich sträubende Schiebetür. Wir sind unterwegs, manchmal rastlos, beschleunigen, bremsen, wir sind im Fluss. Doch halt, machen wir eine Pause, einen Zwischenstopp auf diesem schmalen Grat zwischen zwei Welten. Genau an diesem Punkt, wo das, was war, vergeht und das, was kommt, aufscheint. Wenn wir dies tun, treffen wir garantiert auf Harriet Groß. Sie hat sich hier ihre Zone eingerichtet, ihr Forschungslabor.

6. Scheinbar fassbar führt uns die Künstlerin über Polaritäten in ihre Zone: Schwarz/Weiss, Material/Loch, Linie/Fläche, Fläche/Raum, Abstraktion/Gegenständlichkeit. Doch Vorsicht! Ein Spinnennetz ist auch keine Fläche, sondern eine Ebene mit tödlicher Tiefe, nur dass die Künstlerin uns nicht verputzt, aber gleichwohl lockend einnimmt. Das was aussieht wie ein klares Bekenntnis zum Ja und Nein, zum Sein und Nichtsein oder mathematisch zur Null und zur Eins, entpuppt sich als Auffächerung von unendlichen Möglichkeiten. Unversehens geraten wir in einen Ort der Möglichkeiten, in einen Schmelztiegel der Auflösung.

7. Schon hasten wir nach Sicherheiten, Wiedererkennung, Wissen. Und die Künstlerin auch. Sie stattet uns mit Motiven aus. Silhouetten, Schatten und Horizonten. Wurzeln, Antennen, Kameras, Pflanzen, Schuhen, Landschaften, Architekturfragmenten, Möbeln – Glück gehabt! Vorerst. Denn immer noch befinden wir uns im Grenzbereich und hier entfaltet sich die wahre Dimension der wunderbaren Arbeit von Harriet Groß. Wir wandern so am Erwartungshorizont entlang und wieder passiert es, dass das Bild, das Wiedererkennen, die Erinnerung zum Raum wird. Und was für einer. Etwas wächst nach unten, anderes sendet in den Himmel, Dinge die uns beobachten, uns tragen, vorwärts, seitwärts, in alle Richtungen.

8. Wären Harriet Groß´ Arbeiten Fabriken, würde dort gebohrt, angereichert, entwickelt, erforscht, veredelt, herausgeputzt, verwoben, durchdrungen und umrissen. Es würde ein Produkt entstehen, welches so etwa Raumweltdichteerkundungswerkzeuganleitungserzeuger hieße. Mit ihm ließen sich feine Fäden spinnen. Wir setzten es an die Schwellen unserer Lebensräume. Die Schwellen schwöllen. Zuerst unbemerkt zöge sich ein feines Gespinst hindurch, um uns am Ende die Vielheit im Nichts zu zeigen. Allerdings bliebe auch nichts mehr an seinem Platz.

9. Wir könnten aber über eine unvoreingenommene Strukturanalyse des Zwischenraums die Restrisiken unseres Lebensraumes neu bewerten und kämen zu dem Ergebnis, dass sich in jeder Falte und Schwelle unseres Raums und unserer Zeit eine unendliche Fülle auftut. Sich darauf einlassen, erfordert den Verlust von bekannter Sicherheit und Struktur. Doch die Handlungsanweisung der Künstlerin, der wir hier folgen sollten, heißt: beherzte Akribie im Machen, dabei Wurzeln schlagen, nach oben senden, den Sicherheitsgurt einrollen und gegen Laufschuhe eintauschen.

Fernando Niño-Sánchez | MELAND

I‘ve always wanted to be a star, a star I always wanted to be; hero of a novel just by typing a few letters online .... my name, Oliver, the name of the hero. Her name, Gloria. Yeah, I can already see her eyes shine.
Indulge your needs! Enter – that is how to customize your novel. Do it yourself.  Everything is possible, even a novel with him as commissioner and his boss a crook. And enjoy the wonder of seeing the reader discover his own name shine.
Ummm!. Ah ... but that shit! how well you look! ... To see my own initials embroidered on the chest of my shirt. You feel even better, right?
You are the one, Gloria ....., how good your skin smells, that‘s because no one mixes their perfume better than you do. Now I know where I come from. With this coat cut to my size. All am I and I am everything.
If you keep buying like that nobody will distinguish you, you‘re going to get lost in the crowd.
Design yourself Oliver, treat yourself to a coat which matches the color of your car. Just because you deserve it! If you see another dress like it, do not try to catch up.

I celebrate the personal like a private religion. Let the mixture of your muesli be individual, so you could create your own company Mymüsli and market it with your friends. Or maybe you could create your own Isoap. Computer Assisted Production - order online - the customer gets what they want, what they want they will have.
Create your own nation. Imagine a world with your initials, your monogram covering a large building. ! MEGA!  – It would be like viewing your own DNA.

Everything except massification, your flag is: „No to massification.“ Your friends call for „something special“ and you simply will give it to them.

Do not let the light turn you into a spot, and if that can‘t be avoided, into a stain! Yes ... but with the stamp of „exclusivity.“

Listen, I think your new bag resembles your neighbour‘s, distinguish yourself, the manufacturer offers to customize it with colored stripes in 25 different shades. Put your initials on it painted by hand, or better, embossed by fire. You will pay a little more but you mustn‘t mind. You‘re worth it, and much more.

„Customize it“ Oli, ask for your car as you want it. Let your personality be highlighted, do not let yourself be pigeonholed as the average citizen, who has average needs and drives the average car. Now you know who you are and where you‘re headed to. Do not be surprised to see yourself so happy.

30.04.2011 – 28.05.2011

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Christine Fenzl | Alex Gross

Eröffnung Freitag den 25.03.2011 um 19 Uhr

Christine Fenzl:

In meinen Fotografien porträtiere ich überwiegend junge Menschen, deren Lebensumstände häufig durch sozialpolitische wie gesellschaftliche Konflikte geprägt sind. So müssen in den Favelas von Sao Paulo viele Probleme gleichzeitig bewältigt werden. Die meisten der hier lebenden Kinder wachsen in einem Kreislauf aus Armut, Drogen und Gewalt auf. Das tägliche Leben dreht sich ums Überleben. Ich bin von der Entschiedenheit, mit der diese Jugendlichen gegen Armut und ihre oft aussichtslos scheinende Situation angehen, beeindruckt und möchte ihrer Stärke und ihrem alltäglichen Kampf ein Gesicht geben.

Alex Gross:

Das nächste Mal wenn Du im Garten bist, nimm Dir ein bisschen Zeit, um Deine Hände tief in den Mutterboden zu drücken – die zersetzende Mischung von Pflanzen, Tieren und Exkrementen – und beginne das subtile synästhetische Rumoren Deines eigenen Untergangs zu ‚fühlen’, fühl die beruhigende Nähe des Verfalls. Eingebettet zwischen kleinen Würzelchen, Tonscherben und den mikroskopischen Stücken von Aluminiumfolie wirst Du Dich festgehalten in der Erde finden, blinde Augen voller Würmer, die Zähne geschwärzt von Pilzen, den Mund voller Exkrement, ein schwarzes phosphoreszierendes Licht ausstrahlend, ein dunkler Lichtbogen nach den Andersartigen rufend und die Schwachen verzaubernd. Du bist ein faulender Ort. 

“Denk an Deine Zähne lieber Junge, hast Du sie geputzt oder sind sie durchsetzt von Fäulnis? Sind sie mit Zement gefüllt, um ihre fortschreitende Fäulnis abzudecken? Denk an Deine Zähne. Sie sind schwarz. Schwarze Zähne.”

extract from BLACK TEETH  {the rotting places} by Jim Colquhoun, 2010, comissioned for “Tauschbörse für ungeliebte Zimmerpflanzen”, Alex Gross. Übersetzung: Ann-Cathrin Drews

26.03.2011 – 23.04.2011

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sale = happiness

Denis Darzacq . Carolina Feix . Anna Mields / Alex Groß .

Harriet Groß . Fernando Niño-Sánchez . André Rival . 

Julian Röder . Stephanie Senge . 

Klaudia Stoll / Jaqueline Wachall . Franziska Uhlmann .

Specials: „The Story of Stuff“ by Annie Leonard .
„Reverend Billy & The Church of Stop Shopping“.
by Dietmar Post and Lucía Palacios . 

Die Galerie Axel Obiger lädt sie herzlich ein zu SALE = happiness

Wir freuen uns am 25.02.2011 ab 19:00 Uhr auf Sie und zahlreiche Gäste. U.a. Reverend Billy aus New York und eine Modeikone aus Paris. Lebende GUCCI Taschen und gestohlene Plüschtierohren. Entdecken Sie, was Etikettenschwindel in H&M Filialen bedeutet und warum man als Transvestit auf ostdeutschen Müllhalden einen Hammer braucht. Schwebende Momente vor endlosen Joghurtregalen! Japanische Glücksverheissungen treffen auf deutsche Schnäppchenjäger um Mitternacht. Der Schatten der Überwachung schwebt über Glasobjekten. Umgestülpter Warenverkehr von Monokulturen. Momente des Rausches gepaart mit Agitation aus Amerika. Passanten schwenken ihre Beute. Subversive Adrenalinausschüttung, hochkultivierte Coolness. 300.000 $ und 16 Cent Stundenlohn in der Galerie Axel Obiger.

26.02.2011 – 19.03.2011

Christoph Rossner | Norbert Wiesneth

In der Ausstellung „Teile und Ganzes“ von Christoph Roßner und Norbert Wiesneth sehen wir zwei künstlerische Strategien, die sich dem verdeckten Großen über Fragmente und Teile annähern. Jedes Bild, ob Malerei, Zeichnung oder Fotografie, zeigt einen Ausschnitt, einen Rahmen, ein Fenster.
In gelungener Weise öffnet sich aber weit darüber hinaus eine Tiefe und eine Sicht auf das Nichtgezeigte, das außerhalb Liegende. Eine Schicht hinter dem Bild, eine Ahnung oder ein Verweis. Bilder, die auf ein Nebenan, ein Davor und Dahinter, auf ein Vorhergehendes und ein Kommendes hinweisen.
Beide Künstler sind wie Detektive, die sich der verdeckten Botschaften eines Ortes oder eines Gegenstandes annehmen. Oder Archäologen, die Schichten von Geschichten und Geschichte freilegen. Dabei geht es jedoch nie um Fakten und Daten, nicht um Geschichtsschreibung und nicht um wissenschaftliche Exaktheit. Es geht vielmehr um Indizien und Aufzeichnungen von emotionalen, intuitiven und außersprachlichen Erinnerungen. Dass das Ganze mehr ist als die Summe seiner Teile erkennen wir in den Arbeiten der beiden Künstler schon in den Teilen selbst. Somit sind ihre Bilder keine Ausschnitte, sondern Zusammenballungen.

Christoph Roßner malt kleinformatige Bilder, die Schicht für Schicht wachsen. Zuerst im Entstehungsprozess und später im Betrachter. Ein Spiel zwischen Tiefe und Oberfläche entsteht. Wiedererkennen und Deuten gelingt meist sofort, doch dies ist nur der Treffpunkt, an dem uns die Bilder abholen. Von hier aus nehmen sie uns mit auf einen Weg, in etwas weit Dichteres als die Benennung eines Gegenstandes. Haus, Hütte, Fabrik, Baum, Fenster, Klecks, Fahne - kennen wir alles, sehen es auch, aber betrachten wir diese Dinge wirklich? Christoph Roßner hat sich ihrer angenommen, aber sein Blick ruht dabei nicht auf der oberflächlichen Erscheinung, er residiert in der tiefen Wesenhaftigkeit. Von dort erzählt er uns etwas von Erinnerungen, die wach werden, von der Faszination des Einfachen, von unvoreingenommener Entdeckung und Kontemplation. Wenn ein Kind ein Glas Saft verschüttet, denkt es nicht an die Rechnung der Teppichreinigungsfirma, sondern betrachtet einen tiefroten flüssigen Strahl, der sich wunderschön aufprallend ausbreitet und ein geheimnisvolles Muster erzeugt. Wir können diesen Blick als Naivität abtun, doch wohnt in ihm eine innere Freiheit, die wesentlich dichter an der Quelle von Erkennen und Begreifen ist. Frei von Nostalgie und Pathos. Christoph Roßner hat sich den Zugang zur Quelle bewahrt und auch eine eigene Freiheit davon zu berichten. Aus tiefen Schichten dringt beständig ein Fluss aus Faszination und Erkundung, aus Neugierde und behutsamer Schöpfung an die Oberfläche und fließt weit über die Grenze der Bilder hinaus.

Norbert Wiesneth nähert sich Orten in einer anderen Weise an. Er setzt Rahmen und Begrenzungen. Die Arbeit des Fotografen und Forschers erzeugt Dichte über die Wahl des richtigen Ausschnitts. Dieser ist am besten so geartet, dass sich in ihm das Ganze wiederfindet oder sogar erst begreifen lässt. Ausschneiden heißt immer Selektion, aber auch Vertiefung. Doch wie lässt sich etwas Unscharfes ausschneiden, etwas wie Erinnerung oder Geschichte oder Atmosphäre? Nur über die Andeutung und den Verweis. Es sind Startpunkte eines Dialogs zwischen den amorphen, zeitläufigen Gegebenheiten eines abgebildeten Ortes und der Verschwommenheit der Ideen und Erlebnisse, die wir mitbringen. Somit sind Norbert Wiesneths künstlerische Arbeiten wie Fenster, die uns einen Blick freigeben auf den Teil eines gewesenen Ganzen. Doch sind Fenster auch gleichzeitig Spiegel, in denen wir schemenhaft einen Teil unserer Selbst entdecken. Es sind durch Eingrenzung präzisierte Schnittstellen von sich überlagernden Realitäten und Zeiten, die wir nie als Ganzes zu sehen bekommen, die wir aber ganzheitlich spüren können. Der Künstler verstärkt diesen Moment in den ausgestellten Arbeiten, indem er die Ausschnitte nochmals unterteilt. Zum einen in einer fotografischen Arbeit, in der wir eine durch ein Industriefenster gesehene Baustelle vorfinden. Erst im Kopf setzen wir aus den Teilbildern das Ganze zusammen und das Gesamtbild wiederum erzählt von etwas noch Größerem. Von etwas im Übergang, einer vergangenen und einer zukünftigen Situation gleichzeitig, ein „nicht mehr“ und ein „noch nicht“. Ein Ort, an dem Gegenwart zugespitzt wird. Andererseits in den Papierarbeiten, in denen das Ausschneiden dazu führt, dass Gegenwart ausgebreitet wird, denn die reliefartigen, subtilen Begrenzungen aus Passepartout-Karton umschließen nichts mehr oder weniger als Teile unseres jetzigen Ganzen, die wir in sie hineinlegen.

15.01.2011 – 12.02.2011

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Gabriele Worgitzki | Maja Rohwetter

Eröffnung am Freitag, den 3.12.2010 um 19:00 Uhr

Die Ausstellung der Künstlerinnen Maja Rohwetter und Gabriele Worgitzki zeigen Bildwelten, die unsere Erfahrungen in und von Raum und Zeit erweitern. Die Wahrnehmung, die uns tagtäglich hilft durch diese Welt zu navigieren, basiert auf Ideen und Annahmen, die uns unsere Erfahrung vorgibt. Nun hat die Wissenschaft in all ihren Bereichen uns längst die Erkenntnis geschenkt, dass die meisten unsere Annahmen über Raum und Zeit leider falsch sind, sie sind nützliche Konstrukte damit wir alle im Ganzen klarkommen, aber nichts ist so, wie wir uns das denken. Zum Beispiel die gehörte Information dringt sehr viel schneller in das Gehirn als die gesehene Information, damit wir nicht durcheinander kommen, werden dort die Eindrücke synchronisiert, heisst interpretiert. Und das bei jedem Menschen anders. Was ist also allgemeingültig ein Moment? Wenn wir uns dem Raum annehmen geraten wir noch erheblicher ins Trudeln. Multiple Dimensionen tun sich auf, die sich ineinander spiegeln und verschränken. Der physikalische, emotionale, psychologische Raum, Erinnerungsorte, politische Hoheitsgebiete und nun noch der virtuelle Raum. Ort und Zeit sind also nicht etwa eindeutig gegeben sondern werden durch uns immer wieder neu konstruiert. Nur durch gemeinsame Absprachen erreichen wir überhaupt erst ein Miteinander. Unsere individuelle innere Uhr und unsere Lebensräume müssen wir jeden Tag mehrfach aneinander angleichen.

Gabriele Worgitzki
entwickelt Bilder und Videos, die sich dem Phänomen Zeit nähern. Wir befinden uns in Räumen mit Menschen und irgendwie scheint die Zeit der Protagonisten und ihres Umfelds nicht synchron zu verlaufen. Der eine gehetzt, der andere ruhend, das Umfeld rasend.  Zeitqualitäten, die sich überschneiden, an einem Ort zusammentreffen und nicht aneinander angeglichen wurden. Geschwindigkeiten werden abgebildet und Zeitläufe, die sich durchmischen und doch nicht berühren, dafür bedürfte es einer Frage oder einer Handlung. Entschuldigung, wie spät ist es? Gabriele Worgitzki zeigt uns Bilder von der Vereinzelung im Gemeinsamen. Sie macht uns auf eindringliche und nachhaltige Weise bewusst, dass es keine Gegenwart gibt, sondern nur Gegenwärtigkeiten, die sich an Orten überlagern, aber selten im Gleichtakt laufen. Die Differenz der Geschwindigkeiten ist gleich der Distanz zwischen mir und dir, der Stadt und uns. Alles was wir tun können, ist uns auf der Bühne der Geschwindigkeiten zu einer kurzen Reise zu verabreden. Einen Takt definieren, diesem zu folgen, für einen Moment oder eine Dauer. Dann wird aus rasen eine Reise und aus Stillstand eine Pause, aus einem Moment ein Monument.

Maja Rohwetter
entwickelt Räume, oder bildet sie nur die nach, durch die wir streifen, oder räumt sie die Restfragmente unserer dekonstruierten Realität wieder ins Bild? Das Phänomen ist komplex. Unsere Körper bewegen sich seit der Erfindung moderner Verkehrsmittel und der virtuellen Welten immer schneller durch immer mehr Orte. Die Beschleunigung fordert als Tribut den Blick für den Zusammenhang. Wir sind Sammler von fragmentierten Raumhäppchen, die wir zu einem Weltbild zusammenbauen. Wie Touristen tendieren wir dazu Oberflächenstrukturen als Ort zu deuten. Computerspiele machen sich dies zunutze. Im konstruierten 3D Raum werden komplexe Bilder auf möglichst einfache Volumen gelegt. Im schnellen Vorbeifahren entwickeln wir den Raum im Gehirn so, wie wir aus 24 Bildern pro Sekunde im Kino eine flüssige Bewegung machen. Maja Rohwetter bewegt sich auch durch vielfältigste Räume, nur scheint sie dabei etwas unterschiedlich zu machen.  Sie hält sich in den Randbereichen auf, in den Übergangszonen und Nebenschauplätzen. Sie kümmert sich um die Strukturen und Gebiete zwischen den Versatzstücken. Mit dem langsamsten der bildgebenden Medien, der Malerei widmet sie sich den beschleunigten Orten. Doch irgendwie scheinen hier Fehler aufzutauchen, die Oberflächen und Strukturen verschiedener Realitätsebenen verknoten sich oder fallen auseinander. Die Übergänge und Anschlüsse sind brüchig und verzerrt. Es sind die Sollbruchstellen unserer Realitätskonstruktion. Irgendwie hat unsere Erinnerung einen Fehler gemacht oder der Programmierer. Oder die Künstlerin alles richtig.

04.12.2010 – 08.01.2011

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I look at the window

Eröffnung am 15.10.2010 um 19:00 Uhr

Der Blick aus dem Fenster oder hinein ist ein fotografischer Reflex. Die erste noch erhaltene Fotografie war ein Blick aus dem Studio von Ni c é p h o r e Ni é p c e. Bis heute ist die Wechselwirkung des Fensterrahmens und der Bildbegrenzung ein Thema, das Künstler auf unterschiedlichste Weise neu formulieren. Dabei ist der Blick nach Außen oft ein Blick in das Innenleben des Künstlers. 

Die Ausstellung zeigt junge europäische fotografische Positionen zum Thema Fenster. Das kann ein Blick aus dem Fenster oder auf ein Fenster oder in ein Fenster hinein sein. Immer verbunden mit der Diskrepanz, dass hier dem Blick eine erobernde Freiheit gewährt wird, die dem Körper versagt bleibt.

Thomas Bachler fotografiert weitwinklig an Fensterscheiben der Provinz entlang. Die schwarz/weiss Serie zeigt so Innen- und Außenräume als bipolare Partner in Korrespondenz

Laure Bertin´s Fotografien entstehen in der Nacht. Immer wenn in Bürogebäuden noch Licht und Arbeit vorhanden ist. Das Innenliegende Geschäftige erscheint dabei dem Passanten gut ausgeleuchtet wie auf einer Bühne.

Bettina Cohnen konstruiert mit fotografischen Werkreihen eine Geschichte, in der ein Fenster eine zentrale Rolle spielt, ohne zu verraten, was sich dahinter abspielt.

Bruno Dorn fotografierte den Blick aus dem Wohnzimmer der Eltern in den Garten hinaus. Die auf dem Fensterbrett stehenden Mitbringsel von Reisen stehen in direktem Konstrast zur aufgeräumten deutschen Idylle.

Sylvia Henrich zeigt unerreichbare, fast unfassbare Wirklichkeiten, die wir durch Scheiben zuweilen betrachten dürfen. Durch Flugzeugfenster, Taucherbrillen und Doppelglasscheiben.

Sabine Hornig´s großformatige Ansichten zeigen leere Ladenlokale. Die sonst so sauberen Schaufenster sind verhangen oder verschmutzt und trüb. Ein blinder Fleck in der sonst so hyperrealistischen Warenwelt.

Veronika Kellndorfer bereiste Paris um dort ein Fenster zu fotografieren, das Ellsworth Kelly als Vorlage für sein „Window, Musée d’art Moderne, Paris, 1949“ gedient hatte. Gerade in diesem Moment waren Fensterputzer am Werk.

Andreas Koch
entwickelte aus vielen Einzelbildern eine Kamerafahrt aus seiner Küche heraus durch den Innenhof bis in die Wohnung seines gegenüberliegenden Nachbarn hinein. Die beiden Fenster, die im Wege stehen durchdringt er mit dieser Technik mühelos.

Mariya Kozhanova
zeigt das melancholisch-poetische Bild des uns von der Welt trennenden Fensters. Von außen nach Innen fotografierten Personen an Fenstern scheinen sich an einen anderen Ort zu sehnen.

Oliver Möst
fotografierte eine Aufzugfahrt. Durch ein kleines Bullaugenfenster erhascht man unscharf an jeder Etage einen kurzen Blick in diese. Doch vorrangig entdeckt man dort nur die Ziffer des Geschosses und den gespiegelten Fotografen.

Karen Stuke stellt Ihre Kamera in Drehrestaurants von Fernsehtürmen weltweit und fängt die vorbeiziehenden Lichter der Städte in langer Belichtungszeit ein, so dass der sonst so überwältigend klare Überblick sich im Medium auflöst. 

Norbert Wiesneth zeigt in der Reihe Schicht die eigentliche Substanz der Scheibe als Träger einer Geschichte. Erst durch das zerbrechen des Glases erkennen wir die Fragilität der Trennung vom benachbarten Raum.

Sinta Werner hat komplexe Gebäudescheibenkonstellationen als Ausgangspunkt einer räumlichen Arbeit genommen und stellt die Situation mit Großformatdias nach.

Gabriele Worgitzki
erschafft mit Lochkamerafotografien aus dem Zugfenster der transsibirischen Eisenbahn einen Film, der die Landschaft von Europa bis China analysiert.

Eine Replik der Originalarbeit von Niépce bildet die historische Klammer der Ausstellung.
Sie macht deutlich, welchen Weg die Fotografie von ihren Anfängen her zurückgelegt hat und welche neue Bildsprachen das Medium heute findet und erfindet. Gerade die strikt formale Eingrenzung des Themas lässt einen lebhaften Dialog zwischen den Werken entstehen. 

16.10.2010 – 28.11.2010

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Menschliches Ermessen

Susanne Ring - plastische Ensembles

Tian Tian Wang - Malerei

Eröffnung: Sonntag 31.10.2010 um 12:00 Uhr

Frauenmuseum Berlin e.V.

zu Gast in der Kommunalen Galerie  
Kulturamt Charlottenburg-Wilmersdorf
Hohenzollerndamm 176
10713 Berlin

Am Sonntag, den 14.11.2010, um 12 Uhr findet ein Künstlergespräch statt.
www.frauenmuseumberlin.de

31.10.2010 – 21.11.2010

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Gereon Krebber | Oliver Möst: Doppelblindtest

Eröffnung am 10. September 2010 um 19:00 Uhr

Die Ausstellung Doppelblindtest blickt getrübt in die Welt. Doch auch wenn die Augen verschleiert sind, gelingt es den Künstlern mit ihren ganz eigenen Möglichkeiten und Mitteln Raum zu erobern, bringen Ihre Hände ins Spiel, wenn nicht gleich den ganzen Körper. Irgendwie lassen sich die Räume der Welt, psychologische oder reale, aus Künstlersicht auf diese Weise auch gelungener erforschen. Augen verschwinden im Mund und Hände und Körper übernehmen die erkundende Aneignung. Ergebnisse solchen taktilen Denkens klemmen dann schon mal als Skulptur unter der Decke oder werden als kurze performative Prozesse im Video festgehalten. Unschärfebereiche und Brüche der Raumordnung sind präzise, geduldige und humorvolle Akteure einer perfiden Attacke auf die Sollbruchstellen unserer so fein konstruierten Welt.

Oliver Möst arbeitet vorrangig mit fotografischen Mitteln. Die erzeugten Bilder zeigen dabei einen künstlerischen Blick, der in allerletzter Konsequenz auch die Optik des Fotoapparats durchdringt. So ersetzte für die Serie Clackastigmat 6.0 das Brillenglas zum Ausgleich der „Fehlsichtigkeit“ des Künstlers die Linse der Kamera. Das was der Künstler ohne Sehhilfe wahrnähme, bekommen wir im Umkehrschluss als Fotografie vorgesetzt. All die schönen Models, die Pokalsammlung des Vaters, die Stadtansichten - unscharf, verzerrt und verstörend. Man möchte sich permanent die Augen reiben.

In vier Videoarbeiten kehrt Oliver Möst seinen Blick rückkoppelnd auf sich selbst. Er wendet eine Lochbildkameratechnik auf den Camcorder an und richtet die präparierte Linse auf kurze Szenen, in denen er als Akteur im verschwommenen Raum nach Halt sucht. Die körperliche Einschränkung wird zum Motor von psychologisch aufgeladenen Handlungen, die starke Momente von Isolation, Trotz, Beklemmung und zynischem Humor beinhalten. Durch die einfache Manipulation seiner bilderzeugenden Werkzeuge gelingt es Oliver Möst - dem Auge die gewohnte Klarheit entziehend - den Blick frei zu machen für die tieferliegenden Bilder, Erinnerungen und Erfahrungen.

Gereon Krebber manipuliert ebenfalls und Klarheit gönnt auch er uns nicht. Er greift lieber direkt in die Raumordnung ein und stört die so selbstverständlich behauptete Position unserer Körper im Raum. Mit seiner schier unerschöpflichen Experimentierfreude durchdringt er Austellungsräume so vehement und krude, dass nur die humorvolle Seite seiner Arbeit verhindert, dass wir direkt von seinen Skulpturen im Raum verschlungen werden. Gereon Krebber misstraut dabei dem Sehen als dem dominanten Teil unseres Wahrnehmungsapparats. Auch er ein Künstler, der eher tastend oder schreitend erkundet. Die Hände als hochsensible Organe, die geschickterweise am Ende der maximalen Ausdehnung unserer Spannbreite angebracht sind, geben dem Künstler wesentlich wichtigere Informationen, als die im Hirn aus den Bildern zweier Augen konstruierte Dreidimensionalität. So winden sich die Arbeiten des Künstlers durch alle Schichten des Raumes, durch Winkel und Nischen, um Ecken, durch Türen. Wie Parasiten docken sie sich an Vorsprüngen an und erobern nun ungehemmt, schön verankert, den umliegenden Raum.

Oliver Möst´s Bilder verzerren das  Abbild unserer Wirklichkeit, um dahinter verdeckte Seinsschichten aufzudecken, die Skulpturen von Gereon Krebber manipulieren in diesem Sinne den Raum. Beide fordern uns damit heraus, eine Zeit lang ihrer Welterkundung im Doppelblindtest beizuwohnen. Wenn wir bisher dachten, wir sähen wohl ein klares Bild von uns in den Räumen der Welt, müssen wir in dieser Ausstellung revidierend erkennen, vielleicht voreilig die Brille geputzt und die Hände in den Schoß gelegt zu haben.

11.09.2010 – 09.10.2010

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Doris Sprengel | Project zur Entdeckung des verlorengegangenen Königreichs Utopia

Eröffnung am Freitag, den 13. August 2010 um 19 Uhr

Eine künstlerische Intervention im Schaufenster der Galerie, zu sehen rund um die Uhr. Die Galerieräume bleiben während der Ausstellungsdauer geschlossen.

Schmetterlingsfänger, Käfersammler, Botaniker, Kaktusliebhaber, Geologen, Alchimisten, Naturforscher, Doris Sprengel

Passionierte Universalsammler, reisende Enzyklopädisten, sie tragen: lange Jacken, Westen, Halstücher, Kniebundhosen, Schnallenschuhe und modische Hüte. Der bebrillte, mit mehreren Orden oder Ehrenzeichen dekoriere Gelehrte annonciert den Zweck der Expedition per Handzettel:

Project zur Entdeckung des verlorenen Königreichs Utopia

Passioniert werden Indizien notiert, skizziert, bebildert. Zeichnungen, Zeichen, Fragmente, Notizen, Fundstücke und die Hoffnung, in der Heimat aus Details ein Gesamtbild formen zu können. Mit Hingabe wird der unschuldig voreingenommene Blick auf die Wunder der Welt geworfen, ein bedächtiges, würdevolles Anliegen, denn es gilt die Botschaft des Übervaters zu entschlüsseln und ein Königreich zu finden, welches sich ihr als würdig erweist. Utopia oder Atlantis oder Heimat. Worte, die nach Sehnsucht klingen, nach Verheißung, noch lange nicht nach Diskurs und Systemkritik. Es muss ihn geben, diesen Ort aus Lebensfreude und Perfektion, dort, wo die Weltformel aus Wunder und Uhrwerk, Verwandlung und Ewigkeit zusammenwächst.

14.08.2010 – 09.09.2010

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Von dieser Seite

Myrtia Wefelmeier und Fernando Niño-Sánchez

Eröffung am Freitag, den 9. Juli 2010 um 19 Uhr

Die Ausstellung: „von dieser Seite“ wirft Ihren Blick auf wundersame und bedenkliche Momente des Lebens. Zwei Künstler, die Zwischenräume im Denken und Handeln erspüren und Bilder und Objekte in die Leerstellen unserer Rationalität verankern. Ob Naturwunder oder Kulturleistung, die Frage nach der ureigenen individuellen Erfahrung und deren Konflikt mit dem zeitgenössischen Allgemeinen, wird durch zwei engagierte Positionen untersucht.

Myrtia Wefelmeier zeigt uns in ihren neuesten Malereien Menschen in Situationen, die mit dem Begriff „eine Erfahrung machen“ nur unzureichend beschrieben sind. Es sind Ereignisse und Momente, die etwas Wesentliches, intensiv urgewaltiges in uns ansprechen, etwas, dessen wir nur im Besonderen, Einzigartigen habhaft werden. Ob als Teil einer jubelnden Zuschauermenge oder als Individuum in der Natur, Menschen verschmelzen mit dem sie umgebenden Raum und gehen auf in einer Situation. Schatten und Lichter verschleiern die Grenze zwischen dem Subjekt und seinem Umfeld. Zeit und Ort konzentrieren sich zu einem endlosen Sekundenbruchteil voller Erleben, ohne Bedenken. Ein Moment, der in seiner Dichte unser Wesen durchdringt und fundamentale Emotionsgewebe aus Hoffnung und Angst, meditativer Ruhe und höchster Anspannung erzeugt, bevor wir 
Erfahrungen und Verhaltensweisen als Hilfsmittel des Handelns nutzen können, bevor wir entscheiden, lenken, analysieren.

Fernando Niño-Sánchez will mit seinen Objekten die ungeschriebenen Gesetze, die diesen unhinterfragten Konventionen zugrunde liegen, untersuchen und mit seinen 
Werken einen Diskurs anstoßen. Denn es sind letztlich gerade diese gesellschaftlichen Konventionen, die Machtverhältnisse entstehen lassen und einen Anschein von individueller Wahlfreiheit aufrechterhalten. Der Künstler gibt diesen Konventionen eine Form und lässt sie in architektonischen Elementen Gestalt annehmen. Es sind tragende, stützende und verschönernde Elemente, die Stabilität und Tradition repräsentieren. Doch erfüllen sie diese Funktionen nur vordergründig. Genau dieser Bruch ist es, den Bertolt Brecht in seinem Frühwerk „Der Jasager und der Neinsager“ zur Sprache bringt. Der Jasager beugt sich den Konventionen und bezahlt dafür mit seinem Leben. Der Neinsager hingegen bricht mit der Tradition, entscheidet sich für das Leben und insbesondere für ein eigenständiges und neues Denken. Fernando Niño-Sánchez öffnet uns mit seinen Objekten den Blick auf solche Bruchstellen, in dem er zeigt, dass sich hinter Strukturen, die Naturgesetzen gleich akzeptiert sind, unvollkommene Konstruktionen verbergen.

10.07.2010 – 07.08.2010

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Satellit #1 - auf Papier

Sabine Fassl - Jörn Gerstenberg - Jürgen Kisch - Dirk Krecker - Michael Kutschbach - Katrin Plavcak

Eröffnung: 4. Juni 2010, 19:00 Uhr

In einer Gruppenausstellung führt Axel Obiger sechs zeichnerische Positionen zusammen, die das Medium eigenwillig vorantreiben. Von introvertierter Zeichenfindung über intuitive Welterkundung zu konstruktiver Raumanalyse entsteht ein Dialog von auf Papier verhandelten Wirklichkeiten. Trotz der formalen Gegensätze umkreisen die Künstler in gleicher Intensität und Geschwindigkeit dichte Zonen aktueller ambivalenter Realitäten.

Sabine Fassl studiert aus künstlerischer Sicht die wissenschaftliche Aneignung einer uns abhanden gekommenen Natur. Zart ausgearbeitete Mikrokosmen, die uns doch wie bedrohliche Viren vorkommen. Tiere, die uns verstörend direkt anstarren. Ihre berührende und Angst einflößende Naturkunde arrangiert die Künstlerin zu komplexen Werkgruppen.

Jörn Gerstenberg seziert in seinen Architekturdarstellungen öffentliche Räume. In radikaler Entleerung werden Supermärkte geplündert, Museen leergefegt, Zoos entvölkert und Bauvorhaben in Investitionsruinen verwandelt. Er wendet eine Variante des Linolschnitts an, die wie ein Negativ die Leere des Raumes schwarz füllt und die eigentliche Architektur als weiße Linie offen lässt.

Jürgen Kisch zeigt 26 Zeichnungen, entstanden während der Weiterbildung „Künstler in die Schulen“. Zwischen Tagebuchskizzen, Telefonzeichnungen und Erinnerungsfragmenten changierend sind sie mehr Bewegung und Zusammenballung als inhaltlich stringente Notizen. Eine Erforschung des locker kontrollierten Einflusses einer spezifischen Situation auf die Zeichnung.

Dirk Krecker zeichnet mit der Schreibmaschine. Schemenhafte Schatten von Flugzeugen, düster und leicht zugleich. Mit einer dem Medium innewohnenden Akribie erzeugt er eine atmosphärische Vielschichtigkeit zwischen Bewunderung und Bedrohung, dem Traum vom Fliegen und Bombenalarm.

Michael Kutschbach erarbeitet in vielen Medien Formzusammenhänge, die oft grafische Ausgangspunkte haben. Große Wandzeichnungen werden kombiniert mit Objekten und ergänzen sich zu raumgreifenden Installationen. Seine Arbeit ist dabei wie eine außersprachliche Reflektion über Dichte, Zartheit, Wiederholung und Freiheit.

Katrin Plavcak erforscht mit Stift und Farbe die Randzonen der Existenz. Dabei haben vergessene Raumfahrtpioniere ebenso ihren Auftritt, wie Außerirdische vor den Pyramiden, der Kampf des Astronauten mit der schwarzen Materie oder die Auseinandersetzung mit der Mutter. Psychologisch extrem aufgeladene Situationen und Geschichten werden in Szene gesetzt und mehrdeutig zeichenhaft notiert.

05.06.2010 – 03.07.2010

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picture picture - Alexandra Mieth und Christoph Roßner

Malerei

Alexandra Mieth zeigt eine Auswahl von Bildern aus zwei Zyklen: Bewildert und Heldenhaft. Im Kern geht es Mieth um das Sammeln emotionaler Chiffren. Die malerische Reflektion der Themen findet ihren Platz auf der Leinwand und versteht sich auch als visuelle Lyrik. Dabei geht es nicht um Vollständigkeit oder Deutbarkeit der Verweise, vielmehr ist ihre Malerei als ein Paraphrasieren, ein Vorgang des Entfaltens von Variationen über ein Leitmotiv zu verstehen, der auch die mögliche Spanne zwischen Ernsthaftigkeit und humorvoller Übertreibung ausloten will.

Christoph Roßner beschäftigt sich mit dem Phänomen des Bildes. Seine Malerei erfindet und umkreist eine subjektive, nach immer neuen Parametern funktionierende Welt. Die bedingt gegenständlichen Gemälde verweisen auf eine vom Künstler entwickelte Mythologie der Dinge. Der bewusste Umgang mit Licht erzeugt eine Atmosphäre von konzentrierter Stille und rätselhafter Melancholie. Roßners Werke sind gekennzeichnet von einer ebenso ernsthaft erarbeiteten, wie bisweilen auch überraschend spielerischen Auseinandersetzung mit Form und Farbe.

01.05.2010 – 29.05.2010

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Abwesenheitsnotiz – Gabriele Worgitzki und Norbert Wiesneth

Fotografie und Zeichnung

Die Ausstellung zeigt Fotografien und Zeichnungen, in denen die „Abwesenheit“ entscheidender Bildelemente ein verbindendes Moment ist: bei Gabriele Worgitzki blendet sich der Raum um ihre Bildfiguren aus und Norbert Wiesneth zeigt sich selbst überlassene Orte im Zustand der Transformation.

Gabriele Worgitzkis malerische Fotoarbeiten folgen unserer Wahrnehmung des Fokussierens. Es verschränken sich Zeitablauf, Moment und Erinnerung in einer komplexen Konstruktion von scharfen und unscharfen Ebenen, welche zeitgleich mit verschiedenen Kameras aufgenommen werden. Die Figuren aus dem Stadtraum sind so in den inneren Zeitverlauf der Bilder eingefügt, dass sie uns selbst in das alltägliche Universum des Augenblicks eintauchen lassen. Parallel zu der fotografischen Arbeit fertigt Gabriele Worgitzki täglich Tuschezeichnungen an. Ausgehend von fotografischen Vorlagen verdichten hier die Passanten mit ihrer flüchtigen Präsenz den leeren Blattraum.

Die Veränderung von Orten bildet das zentrale Motiv in den Arbeiten von Norbert Wiesneth. Als „Chronist der Abwesenheit“ spürt er Ungereimtheiten und Neuformierungen verlassener (Stadt-) Räume nach. Verstörende Elemente scheinbar arrangierter Objekte eröffnen erzählerische Ebenen. Situationen für seine Werkgruppen findet Wiesneth in leeren Zimmern eines vormals berühmten Hotels in Tanger, das allmählich von der Natur zurückerobert wird, in verfallender sozialistischer Architektur an der Ostsee und in verwilderten Eilanden im großstädtischen Straßensystem. Lässt man sich auf die Szenen der analogen Schwarz-Weiß-Fotografien ein, scheint die Abwesenheit lebendig zu werden. 

27.03.2010 – 24.04.2010

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Susanne Ring – VERHOLZEN
Christiane Ensslen – Aus einer anderen Welt

Plastik und Malerei

In den archaisch anmutenden Ensembles von Susanne Ring drücken sich Erinnerungen, Träume und Wünsche aus. Unter dem Titel VERHOLZEN kombiniert sie ihre Figuren und Bilder zu einem großen Wandensemble. Verholzen verweist auf ein Paradox: der Prozess beinhaltet das Absterben von Zellen, ihre Umwandlung in ein widerstandsfähiges, aber totes Material. Dieser Aspekt ist elementar für das Wachstum und sichert schlussendlich das Überleben. Einige Figuren scheinen diesem Prozess zu folgen, dem gegenüber stehen ornamental durchbrochene Körper. Das Ornamentale verweist auf volkstümliche Zierformen und schließt als eine Kategorie des Traditionellen geistiges Wachstum eher aus. Ein Spiel mit der Frage nach Vergangenheit und Identität: wo komme ich her und wo gehe ich hin?

Die Malerin Christiane Ensslen lebt und arbeitet in Weimar. Mit dem Ausstellungstitel „Aus einer anderen Welt“ verweist sie auf ihre Kindheitserfahrungen in der DDR, die häufig in Kontrast zu ihrer heutigen Lebensrealität stehen. Dieses Spannungsfeld hält sie in farbenprächtigen Ölbildern fest, in denen sich exakt aufgefasste Formen mit malerisch freier gestalteten Partien abwechseln. Die surrealen und oft kulissenhaft wirkenden Bilderwelten, in denen sich Architekturen, Tiere, Maschinen und vor allem Menschen wie auf einer Bühne begegnen, sind Erinnerungsstücke, in denen es nicht um historisch belegbare Dokumentationen geht, sondern um die intuitive Annäherung an innere Gefühlswelten, die durch das eigene Erleben geprägt wurden. Die Bilder und Symbole, die die Künstlerin hierfür findet, sind somit individuelle Zeichen, die nicht nach Allgemeingültigkeit oder oberflächlicher Erklärbarkeit suchen.

20.02.2010 – 20.03.2010

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HARRIET GROSS UND MATTHÄUS THOMA

Scherenschnitte, Schnurzeichnungen, Skulpturen

Die Scherenschnitte von Harriet Groß, aus Papier oder Metallfolie geschnitten, sind konzentrierte Arbeiten, deren Inhalte um die Bedingungen menschlicher Wahrnehmung und Kommunikation kreisen. Schrägperspektiven und klare Kompositionen, die linearen Formen, bis hin zu strengen Rasterungen den Vorzug geben, werden mit feinteiligen und sehr detailliert ausgearbeiteten Bildelementen kombiniert. Ihre „Cut Outs“ verortet Harriet Groß in weite, an der Wand verspannte Schnurzeichnungen. Changierend zwischen Zeichnung und Installation öffnen sie den realen Raum zu einem fiktiven und forcieren dies Wechselspiel neuerdings durch Metallskulpturen und Glasobjekte.

Matthäus Thoma schafft aus rohen, unbehandelten Holzstücken komplexe Skulpturen. Die Basis bilden geometrische Formen, die der Künstler aufbricht und deformiert; sie weiten sich in den Raum, nehmen ihn in Besitz und öffnen sich ihm gleichzeitig. Die den Figuren innewohnenden Gegensätze – Chaos und Ordnung, Kraft und Fragilität, kristalline Aufsplitterung und fließende Bewegung, komplexe Komposition und Bescheidenheit des Werkstoffs – gehören zu den signifikanten Merkmalen von Thomas Kunst.

16.01.2010 – 13.02.2010

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WAS ICH MIR SCHENKEN WÜRDE - LIEBLINGSWERKE

Gruppenausstellung

Passend zur Jahreszeit beschenkt sich Axel Obiger selbst - mit einer, besser gesagt zwei Ausstellungen, die aus seinen höchstpersönlichen Lieblingswerken zusammen gestellt sind:

5.12.09 - 17.12.09: Axel Obigers Lieblingswerke von Alexandra Mieth, Christoph Roßner, Doris Sprengel, Fernando Nino-Sánchez, Gabriele Worgitzki und Harriet Groß (Vernissage am 4.12.09, 19 Uhr)

19.12.09 - 9.1.10: Axel Obigers Lieblingswerke von Katja Sonnewend, Myrtia Wefelmeier, Norbert Wiesneth, Oliver Möst und Susanne Ring (Vernissage am 18.12.09, 19 Uhr)

Die Galerie macht vom 24.12.09 bis 3.1.10 Weihnachtsferien.

05.12.2009 – 09.01.2010

Was ich mir schenken würde - Lieblingswerke

Polaroid "7 Minuten" / Clackastigmat 6.0

Sofortbild und subjektive Fotografie

In ihren mehrteiligen Polaroid-Arbeiten zeigt die Fotografin Katja Sonnewend die verbindende Elemente in kulturell so unterschiedlichen Städten wie Berlin, Poznan oder Tokyo. Die ruhigen und klar strukturierten Bilder fokussieren die Anknüpfungspunkte von modernen urbanen Lebenswelten, die an unterschiedlichen Orten immer wieder ganz ähnliche Ausdrucksmittel finden. Menschen, Architekturen und Gegenstände werden von der Künstlerin nach einer eigenen Logik in neue Zusammenhänge gebracht und transportieren bestimmte Stimmungen oder übergreifende Elemente wie Raum und Zeit. Die Ausstellung läuft unter dem Titel „7 Minuten“, der Entwicklungszeit, die ein Polaroid benötigt.

Der Fotograf Oliver Möst führt dem Betrachter mit einer „radikal subjektiven“ Kunst immer wieder vor Augen, das selbst die alltäglichsten Dinge aus einer anderen Perspektive neue Qualitäten bekommen. Dies zeigt sich in seiner konzeptuellen Serie „Clackastigmat 6.0“, in der populäre Motive für den Betrachter verfremdet werden, indem der Fotolinse das 6.0 Dioptrien starke Brillenglas des Fotografen vorgesetzt wird. Es entstehen komplett unscharfe Aufnahmen, die es ermöglichen, die Welt so wahrzunehmen, wie es der „Astigmatiker“ Möst ohne Brille tun würde. Vor allem aber schafft er auf diese Weise Kunstwerke von traumhafter luzider Ästhetik.
In der Ausstellung „Clackastigmat 6.0“ werden Aktbilder, Blumenstillleben und Pokale aus der Serie präsentiert; bereits am 17. Juli 2009 ist bei Peperoni Books unter dem selben Titel ein Buch erschienen.

31.10.2009 – 28.11.2009

Ohne TitelBaywatch & Schwanensee

Gruppenausstellung

Fotografie. Installation. Malerei. Objekt. Plastik. Zeichnung

Werke von Harriet Groß, Alexandra Mieth, Oliver Möst, Fernando Niño-Sánchez, Susanne Ring, Christoph Roßner, Katja Sonnewend, Doris Sprengel, Myrtia Wefelmeier, Norbert Wiesneth und Gabriele Worgitzki.

19.09.2009 – 24.10.2009

Eröffnung der Galerie
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Preview Berlin 2009 / Zentralhalle Flughafen Tempelhof

Axel Obiger zeigt: „Helden im Pferd“ (2009)

24.09.2009 – 27.09.2009

Preview Berlin 2009 / Zentralhalle Flughafen Tempelhof

Vernissage - picture picture


Alexandra Mieth und Christoph Roßner

Am Abend wird der neue Galerieleiter Daniel Kerber vorgestellt, der ab 1. Mai 2010 die Aufgaben von Dr. Verena Dollenmaier übernehmen wird.
Die Ausstellung hat während des Gallery Weekends am 1. und 2. Mai zu den regulären Zeiten geöffnet.

30.04.2010 19:00 uhr

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