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On Terraforming

Andrea J. Grote + Charlotte Bastian 

14.02.2026 – 14.03.2026

 

Vernissage

Freitag, 13. Februar, 19 Uhr

Artist Talk

Samstag, 14. März, 18 Uhr

Andrea J. Grote und Charlotte Bastian 

Finissage

14. März, 18 Uhr

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English version below

On Terraforming

 

In ihren aktuellen Werkserien entwerfen Charlotte Bastian und Andrea J. Grote Bildwelten, die unsere Vorstellungen von Landschaft und Natur nachhaltig irritieren und neu verhandeln. Beide Künstlerinnen gehen vom Medium der Fotografie aus und entwickeln diese weiter. Ihre verschiedenen methodischen und technischen Verfahren, Ästhetiken und Perspektiven eröffnen unterschiedliche, sich ergänzende Zugänge zu einer der zentralen Fragen unserer Zeit: Wie sehen Landschaften aus, die vom Menschen nachhaltig geprägt, überformt, genutzt und beschädigt werden?

 

Der Ausstellungstitel On Terraforming nimmt Bezug auf den aus der Science-Fiction stammenden Begriff des Terraformings, der die gezielte Umformung fremder Planeten zu bewohnbaren Lebensräumen beschreibt. In der Ausstellung wird dieser ursprünglich futuristische Gedanke auf die Gegenwart zurückgeführt: Terraforming erscheint hier nicht als Vision, sondern als längst realer Prozess menschlicher Eingriffe in bestehende Landschaften. Der Titel On Terraforming verweist auf Beobachtungen und künstlerische Reflexionen zu einer Welt, die fortwährend angepasst und manipuliert wird. Es entstehen Bilder eines Planeten, der sich bereits im Zustand permanenter Umgestaltung befindet.

 

Charlotte Bastian setzt aus Fotografien unterschiedlicher Zeiten und Orte neue Landschaftsräume zusammen. In ihren analogen Klebemontagen der Serie Shifting bleiben Schnitte und Klebungen sichtbar – die Collage gibt sich als solche zu erkennen. Aus mehreren, von ihr selbst fotografierten, Motiven entstehen Szenarien der Ungleichzeitigkeit und Unverortbarkeit, in denen Restnatur, Idylle, Ödnis und ruinöse Architektur gleichermaßen aufeinandertreffen. Bastians Interesse gilt der Vergänglichkeit und den Spuren menschlichen Wirkens im Anthropozän. Ihre Arbeiten sind keine Dokumente, sondern visuelle Konstruktionen, die gezielt kognitive Dissonanzen erzeugen und mitunter eine irritierende Atmosphäre entfalten. In den stereoskopischen Raumbildmontagen aus den Serien Glocal Sceneries wird diese Wirkung noch gesteigert: Der durch räumliche Betrachtung entstehende Tiefenraum vermittelt nahezu immersiv das Gefühl, sich in diesen fremd-vertrauten Landschaften zu befinden.

 

Auch Andrea J. Grote konfrontiert uns mit irritierenden Fotografien und Installationen, die sich erst langsam dem Betrachter erschließen. In ihren aktuellen, speziell für den Ausstellungsraum konzipierten Installationen thematisiert sie die auf Profit ausgerichtete und zugleich zerstörerische Nutzung der alpinen Landschaft in den Tiroler Bergen.

Grundlage für ihre installativen Arbeiten sind häufig analoge Mehrfachbelichtungen, wodurch minimale Verschiebungen des Blickwinkels zu einer Schichtung von Zeit, Raum und Bewegung führen. Die Bilder scheinen zugleich zu rasen und stillzustehen, die sicht- und spürbare Unruhe lassen Geräusche erahnen und verweisen auf den steten und zerstörerischen Wandel im Landschaftsumbau, der dem Innovationsdruck im Tourismus und dem Klimawandel geschuldet ist. Moderne Gondelstationen aus Beton, Stahl und Glas, riesenhafte Pistenraupen, Rollbänder für skifahrende Kinder verwandeln sich durch Grotes fotografische Technik in nicht sofort lesbare Erscheinungen, um auf den zweiten Blick ihre destruktive Realität um so deutlicher hervorzubringen. Gerade in dieser Ambivalenz berührt Grotes Arbeit den Diskurs um die Ästhetik des Hässlichen: Die visuelle Verführung macht die Verletzungen der Landschaft umso eindringlicher erfahrbar. In der Installation O.T. (Fleckalm, 3.1.2017, 1 min), 2026 wird die Zerstückelung der Landschaft durch extreme Infrastrukturen, die für den Skitourismus entwickelt werden, schonungslos sichtbar.

 

Die Ausstellung führt zwei künstlerische Positionen zusammen, die Landschaft nicht als statischen Ort, sondern als fragiles, vom Menschen gestaltetes und gefährdetes Gefüge begreifen. Zwischen Bedrohung und Poesie eröffnen Bastian und Grote eindrucksvolle Bilder einer Welt, deren scheinbare Natürlichkeit längst brüchig geworden ist.

Kurzbiografien

Charlotte Bastian, in Berlin geboren, hat an der Universität der Künste Berlin, an der Universität Sevilla und am Art Institute of Chicago Bildende Kunst studiert. Sie hat ihr Studium mit dem Meisterschüler an der UdK Berlin abgeschlossen. Neben Studienreisen nach Südamerika und die USA, war sie Artist in Residence in Norwegen, Island und Argentinien. Ihre Arbeiten wurden in zahlreichen Ausstellungen gezeigt, u.a. im Haus am Lützowplatz, Berlin; Torrance Art Museum, Los Angeles Kunstquartier Bethanien, Berlin; bei Tiger Strikes Asteroids, New York und Chicago; SCOTTY, Berlin; bei Devening Projects, Chicago; Huuto Galeria, Helsinki; Campbell Works, London. I @charlottebastian_studio

 

Andrea Grote, geboren in Lawrence, USA, studierte Kunst an der Universität der Künste Berlin und an der École des Beaux-Arts in Paris. Sie schloss ihr Studium mit dem Meisterschülertitel ab. Sie erhielt zahlreiche Stipendien, darunter 2023 das Alexander-Tutsek-Stipendium für Glaskunst sowie unterschiedliche Stipendien des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg (2020, 2021) sowie weitere Förderungen. 

Darüber hinaus nahm sie an zahlreichen kuratierten Symposien im Bereich Bildhauerei und Installation teil, darunter an der Aquamediale (2017, 2025) in Lübben, dem Bildhauersymposien in St. Blasien (2020/2022) und in Davos/Schweiz. Eine Projektförderung des Landes Tirol ermöglichte ihr die Realisierung einer Intervention im öffentlichen Raum in einer Gemeinde in den Tiroler Bergen. Ihre fotografischen, skulpturalen und installativen Arbeiten mit starken Raum- und Ortsbezügen wurden in Ausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen im In- und Ausland gezeigt, unter anderem in Österreich, der USA und der Schweiz. I @andreagrote_kunst​​

English

On Terraforming

 

In their current series of work, Charlotte Bastian and Andrea J. Grote create visual worlds that unsettle and renegotiate our notions of landscape and nature in a profound and lasting way. Both artists take the medium of photography as a point of departure and extend it through distinct approaches. Their differing methods, techniques, aesthetics, and perspectives offer complementary ways of addressing one of the central questions of our time: What do landscapes look like when they are durably shaped, transformed, used, and damaged by human activity?

 

The exhibition title On Terraforming refers to the concept of terraforming, originating in science fiction, which describes the deliberate transformation of foreign planets into habitable environments. In this exhibition, the originally futuristic idea is brought back to the present: Terraforming appears not as a vision but as a process that has long since become reality through human intervention in existing landscapes. On Terraforming draws attention to observations of and artistic reflections on a world that is constantly being adapted and manipulated, producing images of a planet already in a state of permanent transformation.

 

Charlotte Bastian composes new landscape spaces from photographs taken at different times and places. In her analog cut-and-paste collages from the series Shifting, seams and joints remain visible, openly revealing the constructed nature of the image. Using multiple motifs photographed by the artist herself, she creates scenarios of temporal disjunction and spatial indeterminacy in which remnants of nature, idyll, desolation, and ruinous architecture converge. Bastian’s interest lies in transience and in the traces of human impact during the Anthropocene. Her works are not documents but visual constructions that deliberately generate cognitive dissonance and sometimes unfold an unsettling atmosphere. This effect is intensified in the stereoscopic spatial image montages from the series Glocal Sceneries: The depth created through spatial viewing conveys an almost immersive sense of being within these strange yet familiar landscapes.

 

Andrea J. Grote likewise confronts viewers with unsettling photographs and installations that reveal themselves only gradually. In her current installation-based works, conceived specifically for this exhibition space, she addresses the profit-driven yet destructive exploitation of the alpine landscape in the Tyrolean mountains. Her installations are often based on analog multiple-exposure photographs in which minimal shifts in viewpoint result in a layering of time, space, and movement. The images appear to race and stand still at once; their visible and palpable unrest evokes acoustic impressions and alludes to the constant, destructive transformation of landscapes driven by tourism’s pressure to innovate and by climate change. Modern gondola stations made of concrete, steel, and glass; gigantic snow groomers; and conveyor belts for skiing children are transformed through Grote’s photographic technique into forms that are not immediately legible, only to reveal their destructive reality all the more clearly upon closer inspection. It is precisely this ambivalence that situates Grote’s work within the discourse on the aesthetics of ugliness: Visual seduction makes the injuries inflicted on the landscape all the more tangible. In the installation Untitled (Fleckalm, 3.1.2017, 1 min) from 2026, the fragmentation of the landscape by extreme infrastructures developed for ski tourism is laid bare without restraint.

    

This exhibition brings together two artistic positions that understand landscape not as a static space but rather as a fragile system shaped and endangered by human activity. Between threat and poetry, Bastian and Grote open up striking images of a world whose apparent naturalness has long since become fractured.

Short biographies

Charlotte Bastian, born in Berlin, studied fine arts at the University of the Arts Berlin, at the University of Seville and at the Art Institute of Chicago. She received a Meisterschüler (`master pupil´) at the UdK Berlin. In addition to study trips to South America and the USA, she was artist in residence in Norway, Iceland and Argentina. Her works have been presented in numerous exhibitions including Haus am Lützowplatz, Berlin; Torrance Art Museum, Los Angeles Kunstquartier Bethanien, Berlin; at Tiger Strikes Asteroids, New York and Chicago; SCOTTY, Berlin; at Devening Projects, Chicago; Huuto Galeria, Helsinki; Campbell Works, London.

Bastian lives and works in Berlin and since 2007 she is a member of SCOTTY - space for contemporary art and experimental media. I @charlottebastian_studio

Andrea Grote, born in Lawrence, USA, studied art at the Berlin University of the Arts and at the École des Beaux-Arts in Paris. She completed her studies with the title of Meisterschülerin (`master pupil´). She has received numerous grants and scholarships, including the Alexander-Tutsek-Scholarship for Glass Art in 2023, as well as several scholarships from the Ministry of Science, Research and Culture of the State of Brandenburg (2020, 2021), in addition to further funding support.

She has also participated in numerous curated symposia in the fields of sculpture and installation, including Aquamediale (2017, 2025) in Lübben, the Sculpture Symposium in St. Blasien (2020/2022), and in Davos, Switzerland. A project grant from the State of Tyrol enabled her to realize an intervention in public space in a community in the Tyrolean Alps.

Her photographic, sculptural, and installation-based works, characterized by strong spatial and site-specific references, have been shown in solo and group exhibitions in Germany and abroad, including Austria, the United States, and Switzerland. I @andreagrote_kunst

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